Ein Einblick in die ECom Logistik bei Breuninger

Ein wichtiges Kriterium im Online-Handel ist die schnelle, reibungslose, sichere und günstige Lieferung der bestellten Ware nach Hause. Hier wetteifern die verschiedenen Unternehmen, um dem Kunden das bestmögliche Gesamtpaket zu bieten. Wie viel Aufwand, Technik und Planung hinter diesen Prozessen steckt, bleibt dem Kunden oft verborgen. Im Falle Breuninger kann Mathias ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

 

Mathias, würdest du dich und deine Rolle in der ECommerce Logistik bei Breuninger kurz vorstellen?

Ich bin 33 Jahre alt und Abteilungsleiter für den Bereich ECom-Logistik. Ich arbeite seit Juli 2014 bei Breuninger. Das kann ich mir ganz gut merken, da mein Sohn an meinem 2. Arbeitstag auf die Welt kam. Am Startertag saß ich auf glühenden Kohlen. 🙂 Angefangen habe ich als Abteilungsleiter „Abruflager“ im ZWL (zentrales Warenlager). Mittlerweile bin ich seit zweieinhalb Jahren gemeinsam mit meinem Kollegen Christian Möller für die gesamte ECom-Logistik mit 4 Standorten und bis zu 500 Mitarbeiter verantwortlich.

Wie sieht meine tägliche Arbeit aus?

Als Doppelspitze entscheiden mein Kollege und ich in Abstimmung mit dem Logistikleiter Roland Allgeyer die Prioritäten im Tagesgeschäft, welches in erster Linie von unseren Teamleitern gesteuert wird. Neben der permanenten Optimierung der Prozesse arbeiten wir noch viel an logistik-internen und bereichsübergreifenden Projekten. Ab und zu kommt auch mal ein externer Dienstleister ins Spiel, wenn es bspw. darum geht mit Verpackungslieferanten die Einführung zweier neuer Kartonagengrößen abzustimmen. Durch diese Optimierung konnten wir die Kosten für die Kartonagen und den Verbrauch von Luftpolsterfolie um 80% reduzieren.

Einmal im Jahr steht zudem die Personal- und Budgetplanung für das Folgejahr an. Hierbei können wir uns auf die Unterstützung der beiden Kolleginnen aus dem Logistikcontrolling verlassen. Alles in allem ist aber kein Tag wie jeder andere.

Wie ist dein Team aufgebaut?

In der Logistik gibt es eigentlich in allen Abteilungen die gleiche Struktur. Jede Abteilung hat einen Abteilungs- und einen Teamleiter. Die größeren Teams, wie Kundenretoure, Versand und Kommissionierung werden zusätzlich durch einen Junior-Teamleiter verstärkt. Für die Feinsteuerung im Tagesgeschäft haben wir noch Schichtleiter auf der Fläche. Direkt darunter kommen dann schon die Menschen, ohne die gar nichts gehen würde. Die vielen kaufmännischen und gewerblichen Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten, die jeden Tag dafür sorgen, dass unsere Kunden ihre bestellten Waren oder ihre Gutschriften für ihre Retourenpakete erhalten. Eine echt bunt gemischte Truppe, die trotz Schichtarbeit und teilweise hoher Temperaturen, wie im zurückliegenden Sommer (mehr als 30 °C in manchen Lagerbereichen), einen tollen Job.

Welche Projekte unterstützt und treibt ihr darüber hinaus?

In den letzten 1,5 Jahren haben wir viele Veränderungen im Lager vorgenommen, die sowohl die Qualität Richtung Kunden als auch die Geschwindigkeit in den Prozessen positiv beeinflussen. Diese Optimierungen treiben wir kontinuierlich voran. Außerdem haben wir im Zuge des Wachstums zwei Außenläger an die Prozesse angebunden. Aktuell arbeite ich an der Neuaufstellung der Green Option. Auch an der Einführung einer Luxusverpackung wirke ich mit. Ein weiteres ganz großes Thema, welches uns schon eine Weile begleitet und uns auch noch etwas erhalten bleibt, ist das Projekt „EB Logics“. Hierbei geht es um die Logistik der Zukunft bei Breuninger in Sachsenheim. Wir bringen unsere Expertise und Erfahrung aus dem operativen Tagesgeschäft ein und gestalten die neuen Prozesse mit. Ebenso sind wir im Testmanagement der neuen Logistikprozesse eingebunden.

Welche Fähigkeiten sollte man für die Arbeit im Bereich ECom Logistik mitbringen?

Wichtig ist es, die Zusammenhänge der Gesamtlogistik zu verstehen. Letzten Endes ist es egal, an welchem Schräubchen man dreht, es drehen sich alle anderen Schrauben immer mit. Man muss ein gutes Gefühl für Zahlen haben, eine gewisse „Hands-on“- Mentalität mitbringen und ein Gespür für die Tätigkeit haben, die die Mitarbeiter auf der Fläche tagtäglich ausführen. Nur so kann man Sachen auch effektiv verbessern. Dabei ist es elementar mit den Leuten zu sprechen, die den Job jeden Tag machen. Dabei kommen von den Mitarbeitern selbst oft gute Tipps für Verbesserungen. Es ist wichtig, dass man mit den Menschen an der Basis im Kontakt bleibt. Das gelingt mir leider nicht mehr so oft, weil die Aufgaben im Laufe der Zeit vielfältiger geworden sind. Ebenso wichtig ist es, die Bedürfnisse des Kunden zu kennen. Anders als im stationären Handel haben wir im E-Com nur einen indirekten Kontakt über das Paket. Da muss der erste Eindruck sitzen. Korrigieren kann man da nichts mehr.

 

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?

Es sind viele Dinge, die ich jetzt schon erwähnt habe. Zum einen die Komplexität zu verstehen und zum anderen die Suche nach den großen und kleinen Hebeln, um unsere ECom-Logistik jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Die Kommunikation mit Schnittstellen und den Austausch, der immer besser wird, finde ich auch spannend. Immer mehr Kollegen aus anderen Bereichen erfragen die Meinung aus der Logistik. Das ist eine schöne Wertschätzung für unsere Arbeit. In Summe können wir so auch einen Beitrag dazu leisten unser Unternehmen weiter voran zu bringen.

Wie siehst du die Zukunft für den Bereich ECom Logistik?

In Sachen Innovation sind wir mit dem neuen Logistikstandort aus meiner Sicht ganz weit vorne dabei. Die herkömmliche Fördertechnik, die man aus der Logistik kennt, hat mittlerweile bei manchen Anwendungen ausgedient. Stattdessen kommen in Sachsenheim autonom fahrende Roboter zum Einsatz, die die Transportwannen mit Ware direkt an die Arbeitsplätze andienen. Ich habe solche Geräte schon mal im Testbetrieb gesehen. Faszinierend! Zukünftig könnte der Einsatz von Datenbrillen interessant werden. Aktuell sind diese noch sehr teuer, aber in einigen Jahren sind sie gewiss marktreif. Damit könnten beispielsweise die Kommissionierer komplett mit freien Händen arbeiten. Ich glaube, dass wir geeignete Prozesse für diese Technik haben und auch offen für die Nutzung wären. Ein weiteres wichtiges Thema ist die E-Mobilität bei LKWs. Hierzu hat mein Kollege, Holger Proß, der bei uns für die Transporte verantwortlich ist, schon einige interessante Erkenntnisse sammeln können. Möglicherweise setzen wir sogar schon im nächsten Jahr einen elektrischen Kleintransporter für den Transport der „Pick from Store“-Ware von Stuttgart nach Leinfelden ein.

Glaubst du, dass Breuninger als Traditionsunternehmen und im Vergleich zu anderen Unternehmen auf dem neusten Stand ist, also mit der Zeit geht und offen für Veränderungen ist?

Ich glaube, das ist alternativlos. Es gibt ja den schönen Spruch „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Für diesen Spruch müsste ich im Logistik-Jour Fix jetzt übrigens 50 Cent zahlen… ;-). Ich sehe uns da auf einem guten Weg. An vielen Stellen im Unternehmen hält man Ausschau nach Trends und Entwicklungen am Markt. Außerdem gibt es ja auch genug mahnende Beispiele von Unternehmen aus dem Handel, die den Wandel verschlafen haben. Ich kenne glücklicherweise noch die Zeit vor dem Internet- und Smartphone-Boom. Gefühlt war es zu dieser Zeit noch einfacher Rückstände aufzuholen. Bei der Innovationsgeschwindigkeit heutzutage kann ein kurzer Tiefschlaf oder eine falsche Entscheidung fatale Folgen haben. Diese Situation stellt eine große Herausforderung für uns alle da. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem Multichannel-Gedanken, den Kunden auf ganz vielen Wegen erreichen zu wollen, den richtigen Ansatz gewählt haben. Hierbei können wir aus der ECom-Logistik einen wertvollen Beitrag leisten, indem wir dem Kunden so schnell wie möglich das Paket schicken, welches er möchte. Ganz egal, ob Luxusverpackung, unser Premiumpaket mit Seidenpapier, die be.personal-Bestellung oder die nachhaltige GreenOption-Variante.

 

2018-12-18T13:36:56+00:00